{"id":61,"date":"2017-09-19T15:04:27","date_gmt":"2017-09-19T13:04:27","guid":{"rendered":"http:\/\/eva-niemann.de\/?page_id=61"},"modified":"2026-03-29T21:21:44","modified_gmt":"2026-03-29T19:21:44","slug":"texte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/eva-niemann.de\/en\/texte\/","title":{"rendered":"Texte"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p><strong>Dr. Anita K\u00fchnel: Textauszug der Rede zur Ausstellung <\/strong><\/p>\n<p><strong>Eva Niemann. Malerei, Klangobjekte, Zeichnungen auf Burg Klempenow<\/strong><\/p>\n<p><strong>18. 8. \u2013 16. 9. 2018<\/strong><\/p>\n<p>\u201eImmer war es mir\u201c, schrieb Augusto Giacometti, \u201eals ob es ein Leben der Farbe an sich geben m\u00fcsse, losgel\u00f6st von jedem Gegenstand. Also etwas, das schon vor der Welt der Gegenst\u00e4nde da war und wovon die Gegenst\u00e4nde ihre Farbe entlehnen.\u201c In seinem Essay \u201eDie Farbe und ich\u201c beschreibt der 1947 verstorbene Schweizer Maler seinen Antrieb zur Auseinandersetzung mit dem Geheimnis der Farben und ihrer Wirkungen. \u201eEtwas in mir hat immer nach einem Wissen \u00fcber die Farbe gestrebt. Nach einem Wissen, um mit Hilfe dieses Wissens selbstherrlich \u00fcber die Farbe disponieren zu k\u00f6nnen\u201c, hei\u00dft es darin an anderer Stelle.<\/p>\n<p>Solche oder \u00e4hnliche Fragen stellt sich auch Eva Niemann, seit sie Bilder malt. Nehmen wir die Dinge bzw. ihre Formen durch die Farben wahr oder die Farben durch die Dinge? Schon w\u00e4hrend des Studiums verlor Eva Niemann das Interesse an der Figur und am Motivischen, das ihr mehr und mehr Vorwand geworden war, dem Thema Farbe nachzugehen. Von den unterschiedlichen Wegen, die die Malerei er\u00f6ffnet, entschied sie sich, einer Pr\u00e4misse zu folgen, die schon Robert Delaunay in seinem Essay \u201e\u00dcber das Licht\u201c sehr klar formuliert hatte: \u201eSolange die Kunst vom Gegenstand nicht loskommt, bleibt sie Beschreibung, Literatur, erniedrigt sie sich in der Verwendung mangelhafter Ausdrucksmittel, verdammt sie sich zur Sklaverei der Imitation. Und dies gilt auch dann, wenn sie die Lichterscheinung eines Gegenstandes betont, ohne dass das Licht sich dabei zur darstellerischen Selbst\u00e4ndigkeit erhebt.\u201c Weiter hei\u00dft es darin: \u201eDie Natur ist von einer in ihrer Vielf\u00e4ltigkeit nicht zu beengenden Rhythmik durchdrungen. Die Kunst ahme ihr hierin nach, um sich zu gleicher Erhabenheit zu kl\u00e4ren, sich zu Gesichten vielfachen Zusammenklangs zu erheben, eines Zusammenklangs von Farben, die sich teilen, und in gleicher Aktion wieder zum Ganzen zusammenschlie\u00dfen. Diese synchronische Aktion ist als eigentlicher und einziger Vorwurf (Sujet) der Malerei zu betrachten.\u201c<\/p>\n<p>Eva Niemann sucht die sichtbaren wie die nicht sichtbaren Erfahrungen in Farbe zu \u00fcbersetzen, fragt nach der Gleichzeitigkeit verschiedener Wahrnehmungen, von Raum, Zeit und akustischen T\u00f6nen und findet Entsprechungen in farbigen Kl\u00e4ngen, die eigenen Gesetzen folgen.<\/p>\n<p>Sie fand zu eher streng komponierten Farbformen ohne sich einer mathematischen Farbgeometrie verschreiben zu wollen, im Gegenteil. Zwar jenseits von Impulsivit\u00e4t beherrscht dennoch die malerische Geste die Leinw\u00e4nde, bestimmt sie das systematisch \u00fcberlegte Vorgehen des Komponierens. Zwischen Behutsamkeit und Entschiedenheit wechseln mit meist breitem Pinsel gesetzte Farbakzente, Farbbahnen oder breite Fl\u00e4chen, folgt das Zusammenspiel farbiger Balancen variierender und sich wandelnder Tonfolgen, von Kontrasten und klaren Z\u00e4suren musikalischen Prinzipien.<\/p>\n<p>Der stumpfe, seidig matte Farbauftrag l\u00e4sst die Pigmente auf den Leinw\u00e4nden von innen leuchten, ohne den k\u00fcnstlichen Glanz aufgesetzter Lichter. Dieses Leuchten erkl\u00e4rt einerseits die unmittelbare Pr\u00e4senz dieser Bilder. Andererseits waltet selbst in den gro\u00dfen Formaten eine vornehme wie geheimnisvolle Zur\u00fcckhaltung. Die Anmut des Selbstverst\u00e4ndlichen ist darin, zugleich auch eine klare Bestimmtheit. Der Zufall ist beim Malen durchaus willkommen, doch wird er in die farbkompositorischen Vorstellungen eingeordnet. Es geht um die Steigerungen und gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wirkungen einer jeweiligen Farbe, eines Rot, Blau oder Gelb \u00fcber das Durchdeklinieren ihrer T\u00f6ne im mal weiten, mal reduzierten Pendelschlag vom Dunklen zum Hellen und umgekehrt, durch wechselnde Nachbarschaften und mehr oder weniger starke Kontraste. Laut und Leise teilen sich darin ebenso mit wie r\u00e4umlich empfundenes Vorn und Hinten. Oft greifen die Farbfelder ineinander, allm\u00e4hlich durch gleichsam gewachsene \u00dcberg\u00e4nge, nimmt man \u00dcberblendungen wahr, \u00e4hnlich den Spiegelungen urbaner Formen. Farbtore gew\u00e4hren Durch- oder besser Einblicke, die mit all ihren unterschiedlichen Dunkelheiten in die Tiefe f\u00fchren, um dann doch \u00fcberraschend verschlie\u00dfende Fl\u00e4che zu bilden oder in wachsenden Helligkeiten nach vorn dr\u00e4ngen, sich \u00f6ffnen, zugleich wieder den Blick verstellen, durchkreuzen und in die Fl\u00e4che lenken.<\/p>\n<p>Bisweilen glaubt man in den echohaften Verwandlungen der Farbkl\u00e4nge die Klangfarben musikalischer Fugen wahrzunehmen. Geradezu k\u00f6rperhaft schieben sich Farbrahmen in leichter Diagonale in- und \u00fcbereinander, \u00fcberlagern sich farbige Balken, manchmal kreuzen sie einander und bilden an den Schnittstellen neue T\u00f6ne, lassen darunter liegende Farbschichten durchscheinen, einem Nachhall gleich, der verst\u00e4rkend wirkt.<\/p>\n<p>Eva Niemann sucht niemals Assoziationen an Landschaften oder Dinge. Vergeblich sucht man in ihren Bildern nach der Linie des Horizontes oder organisch anmutenden Formengeflechten. Hier sind keine flirrenden leichten T\u00f6ne zu vernehmen, sondern sich langsam steigernde Rhythmen wechselnder Stabilit\u00e4ten zwischen Dissonanz und Harmonie, variierende Wiederaufnahmen von Farbreihungen scheinbar in sich ruhender Fl\u00e4chenformen und Farbbahnen mit allm\u00e4hlich sich steigernder Intensit\u00e4t der jeweils als beherrschend wahrgenommen Grundfarbe eines Bildes. Nicht nur Kontraste f\u00fchren zu dieser Intensit\u00e4t sondern auch all jene T\u00f6ne, die diese Farben enthalten, sie sind Wegbereiter und St\u00fctzen zugleich. Ton-in-Ton-Stufen, entstanden durch wiederholte \u00dcbermalungen, die untere Farbschichten kaum oder gerade noch durchscheinen lassen, f\u00fchren schlie\u00dflich zum reinen Farbklang, der der eigenen Vorstellung etwa eines ultimativen Gelb oder Rot entspricht. Eva Niemann verliert sich dabei nie im Taumel unendlicher Modulationen. Immer ist man verbl\u00fcfft von dem zielgerichteten, sicheren Einsatz der Mittel, der stringenten Klarheit ihrer farbpoetischen Sprache.<\/p>\n<p>Und \u00a0immer ist da das vermittelnde Grau, in dem all jene Farben verborgen zu sein scheinen, die das Bild bestimmen, ein Grau, das manchmal kaum wahrnehmbar ist, bald offen erscheint und ein wesentlicher Schl\u00fcssel zum Geheimnis der Strahlkraft ist, die von diesen Bildern ausgeht. Es ist ein Grau, das manchmal auch dominiert und das etwas von jenem melancholischen, wie vornehmen Geist der Hallenser Schule bewahrt, f\u00fcr die ihr Lehrer Hermann Bachmann stand. Das Thema Farbe hat beide auch theoretisch immer begleitet und verbunden. Praktisch ist Eva Niemann einen radikaleren Weg gegangen als ihr Lehrer. In dem besonderen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Grau und seine unterschiedlichen Farbwerte m\u00f6gen sich Lehrer und Sch\u00fclerin einvernehmlich getroffen haben und doch hat es in ihren Werken jeweils seinen eigenen unnachahmlichen Platz.<\/p>\n<p>In ihren Graphitzeichnungen macht Eva Niemann auf eindr\u00fcckliche Weise deutlich, wie sehr sie Schwarz in seinen Grau erscheinenden unterschiedlichen St\u00e4rken als farbige Entsprechungen begreift. Oft zur Fl\u00e4che sich verdichtende Schraffuren entfalten ein breites Spektrum zwischen Schwarz und Wei\u00df und machen den Reichtum unterschiedlicher Grauwerte, die je nach Lichteinfall auch blau anmuten k\u00f6nnen, in atemberaubender Wucht geradezu beispielhaft erlebbar.<\/p>\n<p>Wie die Farbwerte in der Zeichnung und Malerei syn\u00e4sthetisch empfunden werden k\u00f6nnen, stellen auch die Objekte Verbindungen her, die verschiedene Sinne wie H\u00f6ren, Tasten und Sehen gleicherma\u00dfen ansprechen und anders als die Malerei \u00fcber Bewegung Verg\u00e4nglichkeit thematisieren. Es ist der umgekehrte Vorgang zur Malerei, die die Bewegung, den Prozess des Malens in den sichtbaren Farbspuren ahnen l\u00e4sst und das Verg\u00e4ngliche im Sichtbaren festzuhalten sucht. W\u00e4hrend man die Bewegungen in den Objekten h\u00f6ren und sehen kann, bleibt die Spur, die sie zeichnen, unsichtbar, manchmal im Moment der Bewegung zwar nachvollziehbar und doch unserer vagen Vorstellung \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>In ihren Farbb\u00fcchern wird die empfundene Steigerung von T\u00f6nen in der mechanischen Bewegung des Bl\u00e4tterns haptisch, r\u00e4umlich wie zeitlich erlebbar. Das Repertoire scheint unersch\u00f6pflich und man sp\u00fcrt die lustvolle Hingabe an ein Thema, mit dessen theoretischen Fundamenten Eva Niemann zwar eng vertraut ist, die sie stets neu hinterfragt und infrage stellt bis zur Provokation. Doch nie wird intellektuelles Kalk\u00fcl sp\u00fcrbar. Ihre Arbeiten leben von einer kraftvollen Sinnlichkeit, die von ganz unmittelbarer emotionaler Wirkung ist.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-61","page","type-page","status-publish","hentry"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en","it"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"it":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eva-niemann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/61","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eva-niemann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/eva-niemann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eva-niemann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eva-niemann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/eva-niemann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/61\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1085,"href":"https:\/\/eva-niemann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/61\/revisions\/1085"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eva-niemann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}